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    ANTHROPOZÄN
    GEDANKEN / 2
    TELEPATHIE FÜR ALLE
    11. Januar 2017

     

    Gedanken können etwas Wunderbares sein, schrieb ich hier im Dezember 2014 über die Inspiration. Vor allem dann, wenn sie einem so mir nichts, dir nichts in den Kopf schießen und man sich verwundert fragt, woher man sie nur hat. Solch befremdliche und wie aus jedem Zusammenhang gerissenen Gedanken, die den Anschein erwecken, als seien sie gar nicht die eigenen, kennt jeder. Und doch, von ihnen Notiz zu nehmen und sich auf sie einzulassen scheint aus der Mode gekommen, setzt man heutzutage doch auf Maschine statt auf Kopf.

    Jetzt aber haben sich die Dinge schlagartig geändert und zwingen mich dazu, vor solchen Gedanken eindrücklich zu warnen, denn sie könnten tatsächlich fremde sein und sich nicht nur so anfühlen. Facebook arbeitet nämlich an einer neuen Technologie, die es seinen Usern ermöglichen soll, eigene Gedanken ganz unmittelbar und sozusagen drahtlos mit Freunden zu teilen. Direkt von Gehirn zu Gehirn, und ohne sich dazu auch nur für einen Moment vor den PC hocken zu müssen. Wir werden einfach an etwas denken können und unsere Freunde werden im gleichem Moment in der Lage sein, diese Gedanken mitzuerleben, schwärmt der Konzernchef und verspricht seinen Kunden damit nichts anderes als die TELEPATHIE.

    Mir wird’s schwarz vor Augen, jetzt haben wir den Salat. Ab morgen gibt es Facebook also via Gedankenstrom, mir kribbelt es jetzt schon unter der Schädeldecke. Dank Telepathie, der Kunst des Gedankenlesens, zu welcher der Begriff Technologie bislang wirklich nicht passen wollte, glaubten doch nur Esoteriker wirklich an die Sache. Dabei räumten sie allerdings ein, dass diese Fähigkeit lediglich denjenigen vorbehalten sei, die übersinnliche Fähigkeiten besäßen. Gestandene Wissenschaftler hingegen schüttelten nur sarkastisch grinsend den Kopf, nannten das Ganze ein Psi-Phänom, was in deren Sprache nichts anderes als bekloppt bedeutet, und überließen es der Parapsychologie sich mit diesem Humbug herumzuschlagen. Wobei die James Randi Educational Foundation, die sich kritisch mit Psi-Phänomenen auseinandersetzt, ein Preisgeld von einer Million US-Dollar für denjenigen aussetzt, der unter wissenschaftlichen Bedingungen paranormale Fähigkeiten unter Beweis stellen kann – man weiß ja nie! Die Geheimdienste jedoch waren an diesem Gezänk nie wirklich richtig interessiert. Den Gedanken der telepathischen Nachrichtenübermittlung fanden sie einfach viel zu verlockend. So auch der KGB oder die CIA, die schon seit den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts intensiv an der Gedankenübertragung arbeiten.

    Schon 1960 wurde in der französischen Zeitschrift „Science et Vie“ behauptet, die Amerikaner hätten telepathischen Kontakt zu einem getauchten U-Boot hergestellt. Der Nautilus nämlich, dem ersten nuklear angetriebenen U-Boot der Welt. Angeblich fanden die Versuche während der Unterquerung des Nordpols im August 1958 statt. Die Sowjet-Offiziellen waren mächtig irritiert: sie fragten jeden Besucher aus dem Westen, was es denn mit dem Gerücht auf sich habe. Die Amerikaner konterten mit der Gegenfrage, ob es denn in der Sowjetunion noch Gespenster gäbe und ob es stimme, dass einer Moskauerin der Geist Lenins erschienen sei und sie diesen über Stalins wahren Charakter aufgeklärt habe?

    Jetzt aber hat Facebook die Katze aus dem Sack gelassen, das schier Unmögliche möglich gemacht und damit ein wahres Wunder vollbracht: Denn quasi über Nacht hat der Megakonzern aus einem diffusen esoterischen Hirnnebel eine praktikable Technologie entwickelt, die er künftig nicht nur einigen wenigen, sondern Milliarden von Facebookern zur Verfügung stellen will. Telepathie für alle! lautet die Devise. Ein Horrorszenario, das Schlimmstes befürchten lässt.

    Denn das heißt ja, dass wir bald unseren Gedanken nicht mehr werden vertrauen dürfen – unfähig zwischen eigenen und fremden zu unterscheiden. Und das nur, weil irgendein Userarschloch einem gerade im Hirn herumfuhrwerkt und im Stirnlappen ein Posting abgesetzt hat. Folglich ist es nicht unvernünftig, vor allem spontane Gedanken erst einmal aufmerksam von allen Seiten auf ihre Originalität hin zu überprüfen.

    Gedanken wie Ich liebe Dich! könnte man natürlich sofort als fremd dingfest machen. Wer sagt schon Ich liebe Dich! zu sich? Es sei denn, er ist Narzisst und denkt gerne so. Auch einen Gedanken wie Ach mein Lieber, ich hoffe, Du denkst so oft an mich wie ich an Dich? Entschuldige die Frage, sie ist mir nur gerade so durch den Kopf gegangen. Aber denk bloß nicht, dass ich dich unter Druck setzen will. Es war nur ein Gedanke. Ich jedenfalls denk an dich, hatte gerade dein Bild vor Augen! könnte auf Anhieb identifiziert werden. Wer denkt schon so? Nur Zwanghafte. Allerdings ginge einem der Schwachsinn nicht so schnell wieder aus dem Kopf, was einem mentalen Hausfriedensbruch gleich käme. Und apropos ... hatte gerade dein Bild vor Augen! Plant Facebook jetzt unter der Hand etwa auch noch die Bildertelepathie? Dann würde ich durchdrehen. Ständig fremde Bilder im Kopf hält doch kein Mensch aus!

    Und wer sagt denn, dass die User die Technik auch wirklich einigermaßen professionell beherrschen? Unter den Milliarden von Facebookern gibt es sicher auch eine Menge Deppen, die nur saudumme Gedanken durch die Gegend telepathieren und sich auch noch in der Adresse irren. Nichts anderes als Spam-Gedanken also, gegen die es allerdings keine Firewall gäbe. Ein Albtraum! Völlig ungeschützt diesen sogenannten Gedanken ausgesetzt.

    Die Gedanken sind frei! Dieser Gedanke bekäme augenblicklich eine nachgerade apokalyptische Dimension. Man würde sich auf einmal beim Wunsch ertappen, nicht mehr denken zu müssen. Wahnsinn!

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    GESELLSCHAFT X.O
    GESELLSCHAFT / 8 RECHTSRADIKALE INTERNETREVOLTE
    19. Dezember 2016

    Eine Demokratie funktioniert nur dann, wenn ihre Bürger informiert, bedacht und vernünftig sind. Und natürlich dementsprechend handeln und auch wählen - denn auf Letzteres kommt’s schließlich an. So das Ideal, das aber angesichts der gegenwärtigen Ereignisse auch eine rechte Binsenweisheit ist. Vor allem dann, wenn man mit dem einen oder anderen zufällig ins Reden kommt - sei’s auf der Straße, im Supermarkt oder in der Kneipe -, und konsterniert bemerkt, dass mancher Bürger alles andere als einen bedachten, geschweige denn vernünftigen Eindruck erweckt. Und die Frage, ob der nun hinreichend informiert ist oder nicht, erübrigt sich rasch, wenn man feststellt, dass er Fakten gegenüber resistent zu sein scheint.

    Ach ja, wir leben in postfaktischen Zeiten wie uns allenthalben ins Ohr geblasen wird, beinahe hätte ich’s vergessen. Welch’ Idiotie: als ob wir vor faktischen in präfaktischen Zeiten gelebt hätten. Bezeichnenderweise ist dieser Unsinn jetzt auch noch zum Wort des Jahres gekürt geworden, was so einiges über den geistigen Zustand unserer Gegenwart verrät - der Virus scheint im Hirn und nicht auf der Festplatte zu sitzen.

    Was sich da aber gerade in den Köpfen so überraschend vieler abspielt, ereignet sich nun wahrlich nicht in Abwesenheit, sondern in knallharter Anwesenheit von Faktizität. Wie sollte es auch anders sein? Die Welt ist nicht zum Stillstand gekommen. Ganz im Gegenteil. Die Ereignisse überstürzen sich, die Welt scheint in freiem Fall. Es herrscht Chaos und Verwirrung. So auch in der Nachrichtenindustrie, wo es schon längst nicht mehr um Inhalte geht. Ihre massenhaft produzierte, auf allen Geräten rund um die Uhr verfügbare Ware soll gewinnbringend an den Mann gebracht werden, nicht mehr oder weniger. Also greift sie zu anderen Mitteln, die im aberwitzigen Konkurrenzkampf von Kommentierungswahn und Meinungssucht den Realitätsgehalt ihrer Informationsprodukte mehr und mehr verschleiern. Ein schrilles, die Sinne gnadenlos überforderndes Bombardement, das unerbittlich auf Bürger- und Politikerhirne niederprasselt und sie allmählich außer Funktion zu setzen scheint. Was ist nun wahr, und was nicht?

    Ein unerbittlicher Kampf um die Deutungshoheit der Realität ist entbrannt: Wer da nicht zu gewichten und auszuwählen weiß, weil er charakterschwach und selbstunsicher der Welt in seinem Innersten nichts entgegenzusetzen weiß, fühlt sich bald verloren und glaubt nicht mehr zu wissen, wo ihm der Kopf steht. Notgedrungen wird er den Dingen gegenüber noch befangener und misstrauischer, als er ohnehin schon ist. Von ohnmächtiger Angst gepackt verkriecht er sich in die dunkelsten Winkel seiner Minderwertigkeitsgefühle, schiebt ohnmächtigen Hass auf die Welt und wartet dumpf vor sich hindräuend auf Hilfe. Und wer sich dabei auch noch zum Fortschrittsverlierer zählt, vom Abstieg bedroht oder zukunftslos abgehängt, träumt sich - nachgerade zwangsläufig - in längst überkommen geglaubte und mystisch extrem aufgeladene Zeiten zurück, die ihm, dem Schwachen einstmals vermeintlich Schutz und Sicherheit versprachen. Reflexartig unterliegt er den abgründigen Impulsen seines autoritären Charakters und mutiert zum kleinen Mann, der sich nun anschickt, den Rechtsradikalismus in die Welt zu tragen, besessen von wahnhaften Zerrbildern eines ewigen Reichs, das ihm und seinesgleichen die Herrschaft seiner weißen Rasse verspricht. Mithilfe des starken Mannes natürlich, denn allein empfindet er sich als Nichts. Kein Wunder, dass unter solchen Umständen die Globalisierung – vor wenigen Jahren noch gefeiert, jetzt aber laut Demagogen total an die Wand gefahren - ihren letzten Kredit zu verlieren droht. Also Mauern hoch. Und Fremde raus!

    Nun aber wagt sich der kleine Mann aus der Versenkung  und wittert Morgenluft. Denn nun kann er seinen impertinenten Hassgefühlen in den SOCIAL MEDIA freien Lauf lassen, und muss (montags) gar nicht mehr auf die Straße. Zudem bleibt er im Netz anonym und greift aus dem Hinterhalt an ohne von Videokameras überwacht zu werden. Geschützt in sogenannten Filterblasen, in denen er sich mit Gleichgesinnten millionenfach zusammenrottet, um mit der „Stimme des Volkes“ donnernd zur Revolte aufzurufen. In finsteren Echoräumen verborgen, wo seine radikalistischen Giftparolen wie Vorboten eines dumpf heraufziehenden Gewitters widerhallen und unsere Lebenswirklichkeit endgültig zu verdüstern drohen. Und dabei scheint dem Feigen jedes Mittel recht.

    Denn jetzt darf er auch noch Autor spielen und seine selbst verfassten „Nachrichten“ tolldreist der Welt entgegenstellen. FAKE NEWS sind hierbei die neuesten Geschosse seines rechtsradikalen Gebarens. Krude Falschmeldungen also, die immer häufiger in den SOCIAL MEDIA kursieren und sich dort jeglicher Kontrolle entziehen: Seitdem Facebook im August sein News-Team entließ und durch autonom agierende Algorithmen ersetzte, verbreiten sich diese in den Nachrichtenmodulen des Netzwerks wie ein böses Geschwür. Automatisierung der Nachrichtenlese und Aushebelung der Gatekeeper-Funktionen, das sind die Ursachen des Phänomens. Denn Algorithmen sind gleichsam blind für das, was sie generieren und können zwischen wahr oder falsch nicht unterscheiden. Zudem lancieren sie automatisch das, was massenhaft Clicks bringt, gelikt und geteilt wird, und spülen so eben auch Fake News auf den Timelines nach oben, als wären sie von allgemeiner Bedeutung und deshalb auch wahr. Insbesondere dann, wenn sie auf Vorurteile treffen und diese bestätigen: kurzerhand werden Lügen zu Fakten, nur weil es den Extremisten so in den Kram passt. So treibt die digitale Automatisierung scheinbar besinnungslos die Radikalisierung und Fragmentierung der Gesellschaft voran: triggert Masse und entfesselt die Masse. Eine virtuelle Revolte, die in den Köpfen der Rechtsradikalen Realität annimmt. Hier einige Kostproben aus der viralen Dreckschleuder:

    „Papst Franziskus schockt die Welt, er unterstützt Donald Trump“ war die „erfolgreichste“ Falschmeldung im amerikanischen Wahlkampf. Das geistliche Oberhaupt der Katholiken sei entsetzt über Hillary Clintons E-Mail-Affäre und unterstütze deswegen ihren Konkurrenten. Die Nachricht erschien auf der Website WTOE5News.com und war mit über eine Million Mal auf Facebook die meist geteilte Falschmeldung des Wahlkampfes. Diese „Meldung“ veranlasste sogar den Papst selbst, sich öffentlich über Fake-News zu empören.

    -   In Italien ging einige Tage vor dem Verfassungsreferendum eine Meldung durch Facebook, es hätten sich in Renzis Wahlkreis 50 000 mit Ja ausgefüllte Wahlzettel gefunden. Wahlbetrug lautete die Devise!

    -   In Österreich geisterte folgende Nachricht durchs Netz. „Achtung liebe Österreicher: Die Wahlkommission der kommenden Bundespräsidentenwahl prognostiziert eine enorm hohe Wahlbeteiligung. Um ein Chaos durch die vielen Wähler zu vermeiden, bittet die Wahlkommission alle Ing. Norbert Hofer Wähler am 4.12.2016 die Wahllokale aufzusuchen und alle Dr. Alexander van der Bellen am 5.12.2016. Ich bitte diesen Post zu teilen, um so zumindest einen Teil der Bevölkerung zu informieren.“ Tatsache aber war, dass der Bundespräsident nur am 4.12. gewählt werden konnte.

    -   Von seinem Wohnzimmer in einem Vorort von Los Angeles aus gelang es einem Extremisten, über Facebook millionenfach Fake News zu verbreiten. Der Mann hatte teilweise mehr Zugriffe auf seine Geschichten als USA Today, eine der größten Tageszeitungen des Landes.

    Nun könnte man meinen, der hochnotpeinliche Vorgang zwänge den Megakonzern zu unmittelbarer Reaktion, sein Ruf ist ja ohnehin schon ziemlich ramponiert. Aber nein, der Konzern reagiert nicht. Denn Facebook selbst scheint vom Phänomen der Fake-News völlig überrascht. Also lässt er die Algorithmen munter weiterlaufen und lacht sich heimlich ins Fäustchen. Ahnt er doch, dass ihm das, was er sich schon immer erträumte, Realität werden kann  – in die Hirne der Bürger einzudringen und sie eines nicht allzu fernen Tages auch zu beherrschen.

    Und richtig, das Statement von Facebook-Manager Eliot Schrage auf einer Konferenz an der Harvard-Universität ist in dieser Hinsicht völlig unmissverständlich, ja schon Klartext: "Mir ist nicht klar, warum es angesichts von 1,8 Milliarden Nutzern und ihren vielen verschiedenen Sprachen klug sein soll, jetzt damit anzufangen, Redakteure einzustellen. Das ist einfach nicht das, was wir tun ... Unser Geschäft ist es, den Menschen die Möglichkeit zum Austausch zu geben. Dazu gehört, ihnen zu ermöglichen, Inhalte bedacht und verantwortungsbewusst zu teilen und zu konsumieren. Ich denke, wir brauchen ein Programm namens 'Denk nach, bevor du etwas teilst', damit die Leute dummes Zeug nicht weiter verbreiten."

    Der Mann spricht wahr und lügt zugleich, wenn er einerseits auf die sich verbreitende Dummheit seiner User hinweist, andererseits aber gleichzeitig auch deren massenhafte Verbreitung wie ein verkappter Demagoge propagiert, dem die Richtung unverhohlen passt. Denn unaufhörlich Likes posten macht dumm, und das bringt dem Konzern Milliarden – egal um welchen Preis. 40 % der Italiener informieren sich bereits allein über Facebook. Das nur zum Beispiel.

    Und in den USA kann die große Mehrheit junger Menschen im Internet nicht mehr zwischen wahr und unwahr unterscheiden, wie Sam Wineburg in seiner neuesten Studie belegt, der Mythos ihrer "digitalen Intelligenz" sei schlichtweg falsch. „Und bei den 12- und 13-Jährigen können 80 Prozent nicht mehr zwischen Nachrichten und Werbung unterscheiden. Der Journalismus in den USA finanziert sich inzwischen stark durch gesponserte Inhalte, sogenanntes native advertising. Also Werbung, die sich als journalistischer Text tarnt. Über den Artikeln steht zwar "sponsored content" – aber die große Mehrheit der jungen Menschen, die ja den ganzen Tag online verbringen, haben keine Ahnung, was das bedeutet. ... Wir haben Highschool-Schülern zwei Artikel über den Klimawandel vorgelegt. Einen verfasst von einem Wissenschaftsjournalisten, einen zweiten auf derselben Website – gesponsert vom Mineralölkonzern Shell. Fast 70 Prozent der Schüler empfand den Shell-Beitrag als glaubwürdiger.“ Soweit Wineburg. Und das neueste Ausweichmanöver von Facebook, verdächtige Nachrichten künftig mit einem Warnstempel zu versehen, falls User einen solchen Artikel mit ihrer Community teilen wollen, ist aufgrund der beschrieben Tatsachen mehr als ein Hohn. Weitere Maßnahmen sind denkbar, ergänzt der Konzern und lacht den Politikern frech ins Gesicht.

    Die digitale Welt scheint mehr und mehr zu einer Parallelwelt zu werden, in deren Realität der Bürger lebt und agiert, und dabei die Welt draußen aus den Augen verliert. Erschreckend rasch hat das Virtuelle von dessen Hirn Besitz ergriffen und es zu seinem Instrument gemacht. Nicht die Wirklichkeit ist aus den Fugen geraten, sondern die Bürgerhirne, die sie aus den Fugen geraten lässt. Die entfesselten Algorithmen scheinen diesen Prozess massiv zu beschleunigen - im Handumdrehen ist aus Facebook ein Fakebook geworden. Das aber wird von vielen nicht mehr registriert, weil sie den Fake selbst produzieren und auch noch für Realität halten. Die Irren hast du eingesperrt, kleiner Mann, du verwaltest diese Welt. Wer also ist an allem Übel schuld? (Wilhelm Reich)

    Wenn die steile These stimmt, dass russische Hacker durch gezielte Falschmeldungen Trump übers Internet zum Wahlsieg verholfen hätten, dann Gnade uns Gott. Denn das hieße ja, dass es bereits möglich wäre, die Bürger eines mutmaßlich feindlichen Landes von außen direkt so zu manipulieren, dass sie selbst – willentlich oder unwillentlich wie neben sich – den Wunschkandidaten gewählt hätten, den ein ausländischer Geheimdienst für opportun hielt, um das Land - gleichsam von innen heraus - zu schwächen. Wer hat hier bitte wen gewählt, würde man sich entsetzt fragen. Ohnmächtig einem Höllenszenario gegenüber, in dem sich die Demokratie selbst abwählt, weil der Cyberwar schon in den Köpfen der Bürger angekommen ist. Der Bürger in Trance und wie ferngesteuert – so etwas war bislang nur Sciencefiction.

    Die weitverbreitete Angst, die Maschinen würden uns bald überholen und einsam zurücklassen (Turing-Test), scheint unbegründet. Vermutlich werden wir das Überholmanöver der Maschinen gar nicht mehr mitbekommen, weil wir dann schon längst von der Bildfläche verschwunden sind. Also keine Angst!

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  • flash
    flash
    EXO MARS
    24. Oktober 2016

    VIELLEICHT BLÜHT DAS UNIVERSUM JA VOR LEBEN, SAGT DER ASTRONAUT.
    UNSERES HIER AUF ERDEN JEDENFALLS NICHT, MÖCHTE MAN IHM ANTWORTEN.

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  • MIERDA
    MIERDA
    VIBRATISSIMO
    20. Oktober 2016

    Kürzlich hat eine US-Bürgerin den Hersteller ihres Vibrators verklagt. Dabei war die Frau von dem Kerl total begeistert und wohl auch vollauf befriedigt. Das wundert nicht, denn der Kerl ist praktisch wie ein echter. Und möglicherweise noch viel besser als der. Man muss ihm nur zuraunen, worauf man so steht. Und davor schreckt der echte vielleicht zurück?

    Aber trotz allem, der Kerl ist nun wahrlich kein Wunderknabe. Über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, sorgt eine App für seine tatkräftigen Dienste. Und das in jeder Hinsicht und ganz nach Belieben. Ohne Murren und falsche Scheu. Selbst die geheimsten Wünsche werden von ihm erfüllt, von denen man sonst nur ungern spricht ein zarter Wischer übers Smartphone und schon geht’s richtig los. Intensität und Muster der Stimulation – alles ist möglich, schwärmt der Hersteller. Der Kerl hat’s echt in sich.

    Um in den vollen Genuss seiner immensen Geschicklichkeit zu kommen, ist die aufrecht kniende Position wahrscheinlich die richtige: Dann sitzt die Reiterin fest im Sattel und hat ihre Hände fürs Smartphone frei. Sogar ein Beat-Modus steht ihr auf dem Display zur Verfügung wenn sie sich denn ganz dem Rhythmus ihres Lieblingssongs hingeben will. Wenn nicht, steht ihr stattdessen eine Playlist für ihre Lieblingsmodi zur Verfügung. Dann weiß der Kerl auf Anhieb, wohin die Reise gehen soll. Wer jedoch den Ritt ins Ungewisse bevorzugt wird den Touch-Modus wählen. So kann sich die Reiterin ganz dem Zufall hingeben der Kerl wird sie nicht fallen lassen. Dann fühlt man sich näher denn je, raunt der Hersteller. Der Kerl hat’s richtig drauf. Das muss man schon sagen!

    Wer aber einen flotten Dreier will, muss nicht gleich klein beigeben. Auch der ist immer drin! Die Reiterin muss nur das We-Connect Feature aktivieren und die Sache ist geritzt. Dann kann der echte Partner dem Kerl mal so richtig den Marsch blasen. Vorausgesetzt, er hat sein Smartphone zur Hand und verfolgt den Akt so hingerissen und wollüstig als wäre der Kerl sein Kerl.

    Sollte der Partner jedoch im Ausland weilen muss der Ritt nicht gleich abgeblasen werden. Der kann ja dann übers Smartphone von seinem Hotelzimmer aus den Ritt betreuen und der Reiterin auch aus der Ferne so richtig auf die Sprünge helfen. Play together – even when you are apart, verspricht der Hersteller. Die App hierfür ist gratis.

    Aber dennoch dreht die Frau jetzt komplett durch. Allerdings beileibe nicht so, wie man sich vorstellen könnte, sondern aus ganz anderen Gründen: Sie will nämlich herausgefunden haben, dass ihre ausschweifenden Ausritte an den Server des Herstellers übertragen wurden. Allerdings nicht deshalb, weil der Chef des Unternehmens ein Voyeur wäre, sondern einzig und allein aus dem Grund, ihre ekstatischen Aktivitäten professionell zu registrieren und auszuwerten.

    Ja und, möchte man fragen? Die Frau hat sie doch nicht alle. Wozu ist eine App denn da, verdammt noch mal? Schließlich muss der Hersteller wissen, was läuft. Nur so lernt er und kann sein Produkt perfektionieren. Und das kommt letztlich nur der Reiterin zugute. Ist sie denn kein bisschen neugierig darauf, was die neue App ihr so alles verspricht? Vielleicht gar ihre höchstpersönlichen Lieblings-Modi, die sie dann nicht mehr hektisch programmieren muss, wenn ihr nach einem Quicky zumute ist. Der Hersteller sollte diese Idee unverzüglich in die Tat umsetzen, dann wird die Enttäuschte ihre Klage auf der Stelle zurückziehen. Soviel scheint sicher!

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