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    Buch 1: DER RAUMLOSE RAUM
    Epilog
    Puzzle 48
    18. Juni 2014

    Der Epilog ist multimedial zu gestalten: Keine Akteure mehr auf der Bühne, stattdessen nur Bilder, persönliche Bilder (Diaprojektionen!), welche aber nicht nur pseudopersönliche Ferien – oder Familienphotos sein dürfen, sondern vor allem Abstraktheit im Konkreten vermitteln müssen, so wie zum Beispiel das Teddybäralleinstadtparkphoto. Schließlich darf die Aufführung am Ende nicht in larmoyanter Selbstdarstellung gerinnen, sondern muss in der szenisch konkreten Aufforderung an die Kinder enden, solche heimlichen, abgekarteten Höllenvorgänge, sobald sie dazu auch nur in der Lage sind, ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren.
    Die Stimmen von Vater und Mutter, stark verfremdet, in welcher Art und Weise auch immer (absolute künstlerische Freiheit).

    Vater: „Na, alles in Ordnung?“
    Mutter: „Warum nicht!“
    Vater: „Man darf doch mal nachfragen!“
    Mutter: „Er ist über das Gröbste hinaus!“
    Vater: „Du meinst, es kann unser Sohn werden?“
    Mutter: „Warum nicht!“
    Vater: „Man darf doch mal nachfragen! “
    Mutter: „Warum nicht!“
    Vater: „Willst du ihm nicht etwas Brei geben?“
    Mutter: „Nein, er wird mir noch zu dick, bist du verrückt!“

    Vorhang: Bitte nicht zu schnell, sondern geladen mit Bedeutung und Trauer.

    Wenn dann die Erwachsenen, weil es totenstill geworden ist, doch noch vorsichtig und ungläubig die Türen zum Kellertheater öffnen und ihre ebenso verstörten wie plötzlich störrischen Kinder aus der Dunkelheit zurück auf die dämmrige Straßen holen, müssen alle, die ahnungslosen Eltern wie ihre nicht mehr so ahnungslosen Kinder denken, die Aufführung sei zu Ende.  

    Das Spektakel aber lässt nicht locker und setzt sich ganz unvermutet als Straßentheater gespenstisch fort. Denn am einsilbig sich verabschiedenden Publikum zieht die Theaterbande vorbei, jetzt perfekt als allgemein erleichterte Elternschaft kostümiert, und bildet einen gruseligen Trauerzug – wie in Polanskis Film Rosemaries Baby – jetzt aber mit hunderten von Kinderwagen, in denen frisch therapierte Scheißkerle, also bleiche Strohpuppen lagern. Als seien sie geradewegs in den Villenverliesen der Nachbarschaft behandelt worden wie der Scheißkerl unten im Keller hier.

    „Tuttzi … buttzzzii … fruttsssiii … tutttssssiiii … luttsssiiiii“, flöten die halbgroßen Elterndarsteller ihresgleichen, den reglosen Stoffpuppen ohne Gesicht in den Kinderthespisleichenwagen zu: Die Eltern tun so, als verstünden sie nichts. Den Kindern aber stellen sich die Nackenhaare hoch, weil sie nicht sicher sein können, ob sie noch heute Abend von ihren Eltern zur Puppe gemacht werden.

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