• 49
    Buch 1: DER RAUMLOSE RAUM
    Potzblitz
    Puzzle 49
    19. Juni 2014

    Sein Vater hat einen Hund gekauft, davon wusste er nichts. Eines Tages wirbelt er um seine Beine und schon sind sie gute alte Bekannte. Der Hund ist ein junger Jagdhund, ein Deutscher Kurzhaar, welcher seinem Vater beim Entenschießen helfen soll, „um zu apportieren“, sagt sein Vater, der alles serviert haben möchte.

    Beide haben sich gesucht und gefunden, da kann sein Vater machen was er will. Fell an Fell schlafen beide miteinander in seinem Bett, manchmal sogar auch Schnauze an Schnauze. „Und mein Hund“, berichtet er stolz, „hat keinen Mundgeruch wie manch anderer, der alles dagegen unternimmt.“

    Beide sind frech wie ein Hund, so dass man manchmal zwischen beiden nicht mehr unterscheiden kann: „Hund zu sein, das ist kein schlechter Zustand“, sagt er sich: „Schnell und überraschend wendig, unerziehbar wie so mancher Hund, der Hund bleiben möchte und nicht allzu groß, um auch mal unten durchs Holz abhauen zu können, wenn es brennt. Manchmal kann man als Hund sogar auch richtig laut werden, denn alles lässt sich ein Hund nicht gefallen.“ 

    Abends, vor dem Schlafengehen, spielt er Potzblitz, wie er den Hund genannt hat, „weil er potzt wie ein Blitz“, eine ganz neue seiner Erinnerungsgeschichten vor, dem Hund immer als erstem. Der Hund ist ein ideales Publikum! Er hat Geduld und lässt ihn erst mal machen. Er weiß genau, dass er für den Ernstfall probiert, also dann, wenn Menschen um ihn herumsitzen. Er spitzt die Ohren und wird immer aufmerksamer, irgendetwas scheint dem Hund nicht zu gefallen: „Nein, bitte noch einmal“ sagt er, und er bricht ab und fängt noch einmal von vorne an.

    Gebannt sitzt der Hund da. Seine Augen leuchten, ab und an schmunzelt er oder verzieht das Gesicht, als würden ihm die Zähne mit Zitrone desinfiziert. Manchmal heult er vor Lachen sogar laut auf und kann nicht abwarten, wie es weiter geht: „Weiter, weiter, nicht aufhören jetzt, bitte“, hört er seinen Hund dann jaulen, während er für ihn spielt: Blitz und Potz!

    „Redest du schon mit deinem Hund“, fragt ihn ein Klassenkamerad, der zufällig hinter ihm im Turnsaal in der Reihe steht, um über den Bock zu springen. 

    Wieso?
    Weil ich euch gesehen habe!
    Ach so. Wo denn?
    Na, das wirst du schon selber wissen.
    Du meinst vor der Bäckerei?
    Genau dort.
    Wieso?
    Weil du da mit deinem Hund gesprochen hast!
    Na und, darf man noch nicht einmal mit seinem Hund mehr sprechen?
    Doch natürlich.
    Also!
    Also?
    Also! – Dein Hund hat auch mit dir gesprochen, das ist viel schlimmer! Ihr spinnt!
    Du spinnst, du musst nach Krumbach!
    Ach so?
    Ja, nach Krumbach, du Spanner, der mich und meinen Hund belauscht. Da müssen alle Verdrehten hin, die Hunde reden hören!

    In Krumbach steht das nächstgelegene Landeskrankenhaus für Leute mit Sprung in der Schüssel. – „Nicht wahr, du kannst ihn nicht leiden, deinen Krumbacher, so nennst du ihn doch!“, will Christian wissen. „Nein!“, antwortet er lakonisch. „Und warum, wenn man fragen darf?“, hakt Christian nach. – „Ich bin eben ein Hund und kann ihn nicht riechen!“ antwortet er.

    abgelegt in #Tags: