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    Buch 1: DER RAUMLOSE RAUM
    Erste Liebe
    Puzzle 37
    03. Juni 2014

    Er hat ein Mädchen kennengelernt, und beide haben sie das Gefühl, sich schon lange zu kennen, was kein Zufall sein kann.

    „Es ist eben passiert!“ meint Tante Emmi, der er von ihr erzählt: „Zufall liegt in allem“, erklärt sie ihm, „daraus muss man aber nicht gleich eine Regel machen und „Schicksal“ sagen, in dem der Zufall keinen Platz mehr hat. Wenn man gar nicht mehr weiter weiß, wirft man eine Münze, Kopf oder Zahl, und fordert das Schicksal heraus. Schöner aber ist es, den Dingen ihren Lauf zu lassen, nicht wahr?“ 

    Einen Augenblick lang hält er inne: „Den Dingen ihren Lauf lassen?“ – „Ja!“, antwortet Tante Emmi, „das heißt aber nicht, dass man aus dem Schneider ist und für nichts verantwortlich, es kommt doch darauf an, was du aus deinem Leben machst, wie du mit den Zufällen deines Lebens umgehst – dafür bist du verantwortlich. Manchmal kann es einem auch passieren, dass sich Dinge ereignen, die man sich schon immer gewünscht hat: Auch Wünsche oder Träume können in Erfüllung gehen! – Zufall hin, Zufall her, was passiert, passiert und macht Sinn oder keinen Sinn, dann nämlich, wenn die Sache stört und einem im Wege steht.“

    Das Mädchen trifft er in der Eisdiele. Und da sie beide Eis lieben, wie sich schnell herausstellt, ist es auch kein Zufall, dass sie sich treffen: Es war nur eine Frage der Zeit. 

    Ich bin oft hier.
    Ich auch!
    Bananen-Split ist das Beste.
    Finde ich auch!
    Du kommst oft, hast du gesagt.
    Ja, schon wegen dem Bananen-Split!

    Das Mädchen lacht und ihre Augen lachen. Beide sitzen eng beieinander und wollen sich heimlich berühren, denn sie sind neugierig aufeinander und können sich kaum beherrschen.

    Als er bezahlt und die Geldstücke über den Boden rollen, weil er in seinen Gedanken schon in ihr ist, fühlt er ihre weiche Hand an seinem Schwanz unterm Tisch und kann nicht aufstehen, weil er einen Ständer bekommt: „Kopf oder Zahl“, sagt er und beugt sich sitzend zu den Münzen. Der Kellner lacht und versteht kein Wort.

    Während sie sein Glied fest umfasst und mit der anderen Hand, die sie mit ihren dicken Lippen befeuchtet hat, seine Eichel reibt, was sie heimlich ihren Brüdern beim Onanieren abgeguckt hat, wie sie lachend sagt, sitzt sie auch schon auf ihm, was das Schönste sein soll, wie ihm einer aus der Oberstufe gesteckt hat.

    Mit weichen Bewegungen versinken sie in ihre ineinander verschlungenen Körper. Über ihnen steigt der Wald auf, Ahorn, Tanne, Fichte, Buche und Föhre. Und darüber die Maisonne: „Der Wonnemonat, jetzt verstehe ich endlich!“, flüstert er ihr zärtlich zu. Sie kommt vom Dorf und versteht.

    „So oft“, sagt sie plötzlich und richtet sich auf, als hätte sie ihm etwas zu beichten, „so oft war ich noch gar nicht in der Eisdiele; da darf ich erst seit ein paar Wochen alleine im Bus hinfahren!“ „Ein toller Zufall, dass wir und getroffen haben“, schmunzelt er und zieht sie eng an sich.

    Als beide sich nackt gegenüberstehen, wie „Adam und Eva“, ulkt sie, und sich wieder anzuziehen beginnen, hilft er ihr in ihren Schuh, dessen Schnürsenkel sich verknotet hat: „Den knote ich jetzt doppelt, dann musst du an mich denken, heute Nacht, wenn du ihn nicht aufkriegst und alleine ins Bett musst“, sagt er funkelnd und schaut zu ihr hoch. – Über Umwege begleitet sie ihn nach Hause, bevor sie alleine zurück zur Bushaltestelle geht.

    In der Nacht liegt er wach in seinem Bett und murmelt zärtlich: „Gute Nacht, mein Herz.“ Sie, die draußen im Dorf weit weg von ihm nicht einschlafen kann, wünscht ihm das ebenso: „Gute Nacht, mein Lieber, schlaf gut!“

    Wenn man von weit oben, vom Himmel zum Beispiel, herunterschauen würde, könnte man meinen, nicht richtig zu sehen: Denn beide liegen in einem Bett. „Eine gute Nacht“ würde man ihnen wünschen und sie in Ruhe lassen, mit einer Wolke als Vorhang.

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