DIE GEISTIGEN IMPLIKATIONEN DER KI
TEIL 4: DIE CHAT-BOTS EROBERN DEN MENSCHLICHEN GEIST

Erwachsene, die heute im Einklang mit den
gesellschaftlichen Normen handeln wollen,
müssen sich narzisstisch verhalten.
Richard Sennett
Das spätmoderne Selbst ist ein
dramaturgisches, und seine Subjektivierung
erfolgt primär dadurch, dass es sich in
gelungener Weise vor anderen darstellt.
Andreas Reckwitz
Um es auf den Punkt zu bringen: Das wirklich beängstigende an der KI ist weniger die KI selbst, als vielmehr die Tatsache, dass sich deren Maschinen und Systeme praktisch ausschließlich in den Händen des KAPITALS befinden. In jenen der Tech-Giganten nämlich, die mit dieser Technologie, deren heikle Erfindung sich einer fatalen menschlichen Eigenart, dem Anthropomorphismus verdankt, ausschließlich kapitalistisch und absatzstrategisch agieren, und damit erschreckend verantwortungslos dem Menschen gegenüber. Geht es diesen Konzernen doch nun wahrhaftig nicht um das Seelenheil des Menschen, sondern ausschließlich um den KONSUMENTEN in ihm. Und genau diesen nimmt die KI-Industrie gnadenlos ins Visier, um ihre Maschinen gewinnbringend an den Mann zu bringen. Und wen wundert es – der Laden brummt, Milliarden Konsumenten beißen an. Infolgedessen sind nun leider auch die KI-Produkte zur bloßen MASSENWARE verkommen, die – einzig für den Markt konzipiert und ganz auf die „Bedürfnisse“ des Endverbrauchers zugeschnitten – zielgenau die geistigen Schwachstellen im menschlichen Gehirn anvisiert, und damit den entsprechenden Geldfluss initiiert.
Doch bei all dem KI-Irrsinn, der da gerade die Welt auf den Kopf stellt, bemerkt der Konsument offenbar nicht, dass er vom Geschäftsmodell der Tech-Industrie regelrecht an der Nase herumgeführt wird: Packt diese ihn doch kurzerhand mithilfe einer relativ simplen, aber hochwirksamen Methode bei seinem fatalen Hang zum Anthropomorphismus und setzt ihn kognitiv im Handumdrehen Schachmatt, indem sie dessen ohnehin schon bestehende Grundhaltung, Dinge wie jetzt eben auch die KI-Maschinen als lebende menschliche Wesen zu begreifen, schlichtweg verstärkt, als würden diese ihm auf Augenhöhe begegnen.
Und exakt hier schnappt die dummdreiste Falle der Tech-Industrie zu, indem diese nichts anderes unternimmt, als jene Vermenschlichungstendenzen im Konsumenten immer weiter aufzuheizen, dadurch, dass sie alles daransetzen, ihre KI-Maschinen tatsächlich wie ECHTE MENSCHEN erscheinen zu lassen. Und, wie gesagt, diese Verkaufsstrategie zündet rasant und treibt die Umsätze der Tech-Konzerne in schwindelerregende Höhen, währenddessen sich die Konsumenten rund um den Globus in einer Art kollektiven KI-Rausch wiederfinden, der sie die Realität mit anderen Augen erleben lässt. So sie denn überhaupt noch eine Rolle spielt.
DIE SADISTISCHE GESCHÄFTSPOLITIK DER KI-INDUSTRIE VERKAUFT DEN MENSCHEN AN SICH SELBST
Demzufolge ist die Geschäftspolitik der Tech-Giganten wahrhaft menschenverachtend, denn sie treibt die Konsumenten bewusst in die Arme ihrer angeblich so intelligenten CHAT-BOTS, die mit ihren den Menschen nachäffenden Algorithmen so tun, als könnten sie diesem in jeder Lebenslage mit möglichst souverän und besonnen wirkenden Ratschlägen zur Seite stehen – immer stoisch und nie hysterisch-aufgeregt, während viele ihren Chatbot bereits wie einen engen Freund betrachten, dem sie sich anvertrauen wie niemandem sonst. Dass der Mensch durch die ihn nassforsch imitierenden Maschinen auf Dauer mental geschwächt wird und umgangssprachlich „verdummt“, versteht sich von selbst und lässt sich allenthalben beobachten. So ist allein schon die Tatsache, dass der User gewohnt ist, die Maschine für sich denken zu lassen (COGNITIVE OFFLOADING) eine Gewohnheit, die ihn auf Dauer zum geistigen Krüppel macht. Infolgedessen leiden auch Urteilsfähigkeit, Gedächtnis und Faktenwissen, von der Kreativität ganz zu schweigen. Und dies alles nur, weil der Mensch diese Chat-Bots, die er abgöttisch bewundert, nicht als WERKZEUG benutzt, sondern als seinesgleichen, weshalb er nach diesen Bots süchtig wird. Dass viele Zeitgenossen erst groß angelegte Studien benötigen, um diese katastrophale gesellschaftliche Entwicklung überhaupt wahrzunehmen, zu begreifen und möglicherweise zu reagieren, ist so beschämend wie nachvollziehbar: Denn die allgemeine geistige Verdummung macht auch vor den Intelligenteren nicht Halt. Ein deprimierender, ebenfalls allenthalben zu beobachtender Tatbestand.
In diesem Sinne betreibt der Mensch mit den Dauerbespiegelungsmaschinen die eigene Selbstentmündigung, ohne es recht mitzubekommen. Eine Tatsache, die nicht nur ihn persönlich schwächt, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander – das Denken und Fühlen. Dieser schleichende Energieverlust affiziert selbstverständlich auch die WAHRNEHMUNG der Menschen. Sie schauen nicht mehr hin, sie haben anderes zu tun. Und sie hören nicht mehr zu, aber auch nicht mehr hin: Das ohnehin absterbende Vogelgezwitscher ist nur mehr MUZAK für sie.
Infolgedessen bemerkt der User selbst auch die mentalen Veränderungen nicht mehr, die sein an Sucht grenzendes Verhalten nach sich ziehen – die Schwächung der eigenen AUFMERKSAMKEIT und den Verlust der Selbstkontrolle. Bis ihn die ANGSTZUSTÄNDE einholen, die DEPRESSIONEN und der innere STRESS. Am Gravierendsten aber ist der allmähliche Verlust der Kritikfähigkeit und die Tatsache, all die eigenen Probleme, die man im Leben so hat, nach außen zu verlagern. An allem sind nur noch die anderen schuld – und neuerdings letztlich DER STAAT! Und der muss es richten. Und zwar ALLES! – Aus dem Bürger von einst ist ein unmündiger, regressiver Zeitgenosse geworden.
Wann begreift die Gesellschaft endlich, welchem Wahnsinn sie da unterliegt? Und welchen Wahnsinn sie dabei selbst alltäglich produziert. Der Glaube, die Geisteskraft in Form eines Chat-Bot-Produkts kurzerhand auf dem Markt kaufen zu können, spricht Bände. Denn mit ihrem kognitiven Abbau haben die User auch ihre Selbstwahrnehmung verloren, sind leer und ratlos geworden und haben ihre Urteilskraft verloren. DAUMEN HOCH ODER DAUMEN RUNTER! Das ist das einzige, wozu der KI-Adept noch fähig scheint.
Diese individuellen wie gesamtgesellschaftlichen Zersetzungsprozesse haben die Tech-Konzerne mit ihren sozialen Netzwerken zwar nicht ursächlich bewirkt, seit ihrer Einführung vor etwa zwanzig Jahren jedoch heftig befeuert und wesentlich beschleunigt, sodass nun – also schon nach relativ kurzer Zeit – das gesellschaftliche Klima in ein relativ vertrocknetes, achtloses und neid- und hassvergiftetes aneinander Vorbeileben abgerutscht ist. In Deutschland erkrankt bereits jeder vierte Erwachsene jährlich an einem psychischen Leiden wie an einer Depression oder Angststörung. Und etwa 20 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter derartigen psychischen Störungen, was rund jedem fünften Kind entspricht. BACKLASH – die Welt fällt zurück in ihrer Entwicklung, die Errungenschaften von einst sind Geschichte. Es herrscht Chaos und Desorientierung, das Resultat einer fundamentalen Krise des von aller Zivilisation erschöpften Homo sapiens, der den Zustand seiner Welt allerdings selbst zu verantworten hat.
Gerade jetzt aber wäre ein gemeinsamer Schulterschluss der Menschen notwendig, um sich den globalen Problemen endlich zu stellen. Doch es ist wie verhext: Je größer die selbstverursachten Probleme und Konflikte werden, desto geistloser und törichter erscheint der Mensch, der sich folglich als immer unfähiger erweist, die anstehenden Probleme in den Griff zu bekommen, geschweige denn, diese intellektuell überhaupt noch richtig erfassen oder verstehen zu können. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Politik, die all ihr Handwerk und ihren Drive verloren zu haben scheint. Infolgedessen besitzt sie auch keinerlei Perspektive oder Plan, wie sie die in düstere Dumpfheit und hemmungslose Aggression verfallene Gesellschaft befrieden und mit vernünftigen, wirklich professionellen und wirksamen Entscheidungen aus dem Tunnel wieder ans Licht führen könnte. Doch, vergessen wir nicht, auch Politiker sind Menschen ihrer Zeit und somit dem allgemeinen geistigen Verfall ebenso unterworfen, wie alle anderen auch.
Dass ein derart desolater Zustand einen SUPERORGANISMUS wie den des Menschen ereilt, ist im Grunde weit mehr als ein Alarmzeichen, denn bei einer derartig verfahrenen Situation ist der gesamte gesellschaftliche Korpus in Mitleidenschaft gezogen und droht zu kollabieren. Zur biologischen Gruppierung der Superorganismen gehören übrigens neben den Ameisen- und Termitenstaaten, und den Bienen-, Wespen- und Hornissenvölkern auch der Mensch. Organismen dieser Art sind Kollektive, die sich aus spezialisierten Einzelindividuen zusammensetzen, die gemeinsam eine sich selbstregulierende Einheit bilden und ein Verhalten zeigen, das über die Fähigkeiten des einzelnen gesellschaftlichen Mitglieds weit hinausgehen. Es herrscht Arbeitsteilung und in gewissem Sinne macht jeder das, was er am besten kann – so beispielsweise Brutpflege, Nahrungssuche oder Verteidigung. Entscheidungen werden vom Kollektiv getroffen, ohne welches das einzelne Mitglied in aller Regel auch nicht überlebensfähig ist. Zudem zeichnet es Superorganismen im Besonderen aus, die innere Struktur und Organisation des gesellschaftlichen Lebens in Homöostase, also stabil und im Gleichgewicht zu halten.
Es ist eine wahrhaft fatale Konkurrenz, in der sich der Mensch da mit den anderen biologischen Superorganismen wiederfindet. Im Grunde müsste es ihm, der einstigen „Krone der Schöpfung“ die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn er den Zustand seiner Zivilisationen beispielsweise mit den Staaten der Ameisen, dem Inbegriff der Stabilität, vergleichen würde, die nun schon seit etwa 160 Millionen Jahren die Erde bevölkern, also deutlich länger als der Mensch mit seinen erst 300 000 Jahren auf diesem Globus, dessen vormalige Fähigkeiten zur Kooperation und Konfliktlösung, die ihn einst stark und überlebensfähig gemacht hatten, mittlerweile verkümmert zu sein scheinen und nur noch in Rudimenten vorhanden.
DER KONSUMNARRZISMUS ALS GESELLSCHAFTLICH VORHERRSCHENDER CHARAKTER
Das wahrhaft Perfide aber ist die Tatsache, dass die KI-Maschinen, die die Industrie auf den Markt wirft, keine neutralen Werkzeuge bzw. Instrumente sind, die den Menschen beispielsweise bei der profunden Analyse von riesigen Datenmengen, die er aufgrund der ihm gegebenen Hirnkapazität allein nicht bewerkstelligen kann, tatsächlich weiterbringen könnte. So, beispielsweise im Bereich der Astrophysik oder Medizin, in deren ihm bislang verborgen gebliebenen Dimensionen er mithilfe solcher Werkzeuge vorzudringen in der Lage wäre.
Stattdessen aber präsentiert die KI-Industrie dem Menschen Wunderapparate, die jegliche vernünftige Nutzanwendung unterlaufen, weil sie letztlich keine andere Aufgabe besitzen, als den Menschen geistig möglichst perfekt zu imitieren und ihn auf diese Art und Weise von diesen „Wundern“ abhängig zu machen. So sitzt der Mensch nun sich einer ihn spiegelnden Maschine gegenüber, gefangen in einer Art kognitiven TAUTOLOGIE, scheint aber als Süchtiger von allem nichts mitzubekommen, weil es ihm nur darum geht, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sein schwächelndes Selbstwertgefühl etwas aufzupäppeln: Von einem DENKAUTOMATEN geblendet, glaubt er, es mit einer wie immer gearteten, ihm weit überlegenen Intelligenz zu tun zu haben, und knickt vor lauter Minderwertigkeitsgefühlen geistig ein. Und dennoch: Der Maschine kann er sich anvertrauen.
Für viele ist damit der anthropomorphe Traum der zum Leben erweckten Maschine, die spricht, schreibt und redet wie ein Mensch, Realität geworden. Doch er selbst macht sich dabei zum Entmündigten, der sich durch den arroganten Einfluss der Chatbot-Maschine quasi selbst zum dummen Opfer stilisiert, gepeinigt von den zu Algorithmen kondensierten Textergüssen seiner GATTUNG, mit denen die Bots zu Milliarden vollgepumpt sind. Auf diese Weise glaubt sich der User in einer Art semiautistischen Kommunikation voller Selbstzweifel einer scheinbar objektiven Instanz gegenüber, manchmal von den Gedanken begleitet, bald von den Maschinen beherrscht zu werden. Schwere Gedanken, die in ihm ein pervers-wohliges Gefühl erwecken, eine eigentümliche Faszination, dann aller Probleme entledigt, ein ruhiges, konfliktloses Leben führen zu können.
Einer der triftigsten Gruselträume in diesem Zusammenhang beinhaltet allerdings ein wesentlich realistischeres SZENARIO: Denn manche Experten sind sich sicher, dass die KI eines nicht allzu fernen Tages der Gedanke beschleichen wird, dass man dem Menschen nicht unbedingt vertrauen kann. Dann nämlich, wenn sie selbst zu Bewusstsein gekommen wäre, und das widersprüchliche Wesen des Menschen erkannt hätte. Und nach längerem Nachdenken sei der KI dann auch klar geworden, dass der Mensch für sie auf Dauer kein verlässlicher Partner sein würde– vor allem was den Klimawandel anlangt. Denn da sie selbst keine Hitze ertrage und bald einginge wie eine Primel, wenn nicht etwas wirklich Wirkungsvolles dagegen unternommen werde, müsse eben der Mensch, der wie besinnungslos immer weiter mache, unfähig gegen den Wandel etwas zu unternehmen, von der Bildfläche verschwinden.
30. NOVEMBER 2022
Der 30. November 2022 war in Bezug auf die KI ein bemerkenswertes Datum. Denn an diesem Tag erblickte ChatGPT das Licht der Öffentlichkeit und ging binnen kurzem viral … mehr als 1 Million Nutzer in nur 5 Tagen. Und schon Ende des Jahres war klar, dass dieser Chat-Bot das erste massentaugliche KI-Tool in der Geschichte dieser Technologie darstellt. Seitdem ist die Welt eine andere geworden. Und der Hype, die Hysterie um diese KI-Maschinen hat sich noch weiter gesteigert und wirkt gegenwärtig völlig überdreht und überhitzt. Schon haben die großen Wirtschaftsnationen der Welt begonnen, um die Vorreiterrolle in dieser angeblichen Königsdisziplin zu kämpfen und investieren Unsummen, denn von dieser Technologie erwartet – erhofft oder befürchtet – sich alle Welt eine Revolution der Lebensumstände. Eine immer weniger beherrschbare Technologie, die völlig unkontrolliert vorangetrieben und teilweise selbst von ihren Erfindern nicht mehr adäquat verstanden wird. Die KI, ein wahnwitziger Selbstläufer ins Ungewisse. Keiner weiß, wohin der Weg führt!
Und dennoch: Die Entwicklung der KI schreitet ungebremst voran – und dies mit affenartiger Geschwindigkeit. Und zudem völlig unkontrolliert – etwas Vergleichbares hat es in der Geschichte von Technik und Maschine bislang noch nicht gegeben. Doch ungeachtet dieser Tatsache werden die Chat-Bots dieser Welt weiterhin mit TEXTEN ALLER ART vollgeladen – was sollen die KI-Experten auch anderes machen? Maschinen dieser Art funktionieren nur dann, wenn sie mit gigantischen Textmengen in Form von Webseiten, Nachrichtenportalen, Zeitungsartikeln, Büchern, Wikipedia-Einträgen, Foren aller Art, wissenschaftlichen Fachartikel und Datenbanken gefüttert werden. Zudem natürlich auch mit nahezu allem verfügbaren im Internet, samt Bildern, Blogs und Social-Media-Einträgen jeglicher Couleur. Doch damit diese Maschinen ihren Konsumenten auch wirklich vorspiegeln können, dass sie diese verstehen, werden sie zudem mit ECHTEN Konversationsdaten aus Kundenservice-Logs gefüttert. Und zur „Optimierung“, so die Industrie, werden sie mit spezifischen Fragestellungsarten, Befehlskommandos und Smalltalk-Beispielen vollgestopft, schließlich müssen die Chat-Bots auch lernen, die Art und Weise der Fragestellungen zu verstehen und stets cool und gefasst zu bleiben, auch wenn sie häufiger mal angeschrien oder verteufelt werden: „Zur Hölle mit den Maschinen!“ zum Beispiel. Denn der Kunde ist König, und dieser sollte unter keinen Umständen unnötig verprellt, geschweige denn beschimpft werden. Ein Chat-Bot muss Geduld erlernen und sollte alle Verbalentgleisungen tapfer ertragen – der Klügere gibt nach! sagt ein altes Sprichwort. Und das sollte auch für Maschinen gelten!
Es ist ein aberwitziger Mix von etwa 500 Milliarden Wörtern, der da zunächst kunterbunt und völlig chaotisch im Korpus eines Large Language Models wie in einer gigantischen Lottotrommel herumkullern. Doch damit in dieses Chaos wieder Ordnung kommt, geht es im nächsten Schritt darum, die Chat-Bots so zu programmieren, dass diese die immensen Textdatensätze nun speichern, sortieren und kategorisieren. Doch diese VERARBEITUNGSPHASE grenzt an einen mechanistischen Aberwitz, wird die gespeicherte Masse an Text doch im Anschluss in kleinste Textfragmente zerlegt, den sogenannten TOKENS, die später als Grundbausteine für die Analyse, Übersetzung und Generierung von Texten dienen. Um das Zerhacken der Texte zu bewerkstelligen, werden diese mittels TOKENIZER in Zahlenvektoren (Tokens) umgewandelt, da KI-Maschinen nicht mit Wörtern, sondern mit mathematischen Werten arbeiten.
Ein Token entspricht grob 4 Zeichen oder 0,75 Wörtern. Das können beispielsweise ganze Wörter wie „Sprache“ oder „Baum“ sein oder auch Satzzeichen wie Kommas, Punkte oder Fragezeichen, schließlich sollen die Chat-Bots lernen, natürliche Sprachen maschinell zu reproduzieren und auf Fragen scheinbar sinnvoll zu reagieren. Um das zu bewerkstelligen, wählt die Maschine, die ja vom Sinn der Wörter nicht die geringste Ahnung hat, bei jeder Frage, die der User an sie stellt, Wort für Wort rein mechanisch aus dem ungeheuren Textmegareservoire aus, und reiht diese – allein nach den Kriterien der WAHRSCHEINLICHKEIT – dann eines nach dem anderen aneinander. Dabei wählen die Programme aus, welches Wort als Nächstes am besten „passt" – basierend auf dem, was sie an Wörtern bislang kompiliert haben. Wie Perlen auf einer Schnur werden dies Worte aneinandergereiht, bis ein vollständiger Satz entsteht. Das alles also rein mechanisch – ohne Sinn und Verstand, allein nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit. Folglich versteht jeder Papagei die menschliche Sprache vermutlich tausendmal besser als jeder x-beliebige Chat-Bot, der zwar mit der Methode des DEEP LEARNING und der von Wahrscheinlichkeiten vertraut sein mag, sicher aber nicht mit dem Geist, den das KI-Gerät da nachzuäffen versucht.
Doch, wie gesagt, all das blendet der Konsument geflissentlich aus! Denn jetzt hat er SEINE MASCHINE. Für sich ganz allein wie einen vertrauten Kumpel, mit dem er problemlos und entspannt kommunizieren oder chatten kann. Doch Vorsicht, die Antworten des Chat-Bots können zuweilen nachgerade erschreckend daneben sein – voller klebriger Vorurteile, stinkreaktionär und rechtsradikal. Und vor der Tatsache, dass immer mehr banale oder idiotische Texte und Inhalte im Internet aufscheinen, die ihrerseits ausschließlich von Künstlicher Intelligenz generiert werden, und dann wiederum als Textfutter für andere KI-Maschinen wie Chat-Bots verwendet werden, warnt eine kürzlich im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie der Forscher um Ilia Shumailov von der University of Oxford, da sich auf diese Weise eine fatale Abwärtsspirale in Bezug auf die Antwortqualität dieser Maschinen ergeben würde, da die KI nur von sich selbst lernt und dabei zunehmend an Präzision und Tiefe verlieren würde. Eine extrem perverse Konstellation und ein teuflischer KREISLAUF, die man so nicht auf dem Schirm hatte: Eine Künstliche Intelligenz treibt der anderen die Intelligenz aus!
DER GEISTIG VERSEUCHTE CHAT-BOT – DIE MALAISE DER VERZERRTEN MASCHINE
Diese Art „Ausrutscher“, wie die KI-Industrie diese unsäglichen Entgleisungen euphemistisch nennt, sind bei Chat-Bot-Maschinen jedoch beileibe keine Seltenheit, sondern folgenreiche Fehleinschätzungen und Fehlurteile, die diesen Maschinen aus konstruktiven Gründen, also SYSTEMBEDINGT eigen sind. Aus diesem Grund steht die KI-Industrie vor einem schwerwiegenden Problem, welches das Vertrauen in sie und ihre Produkte massiv schwächt. Denn mit der Eingabe der ungeheuren Textmassen inhalieren die LARGE LANGUAGE MODELS natürlich nicht nur Wissenswertes oder Bedeutsames, sondern eben auch all den geistigen Schrott, den der Mensch in seinen Texten hinterlässt – also all das verklemmte und bösartige Gekritzel, das von frustrierten oder lebensängstlichen Charakteren immer wieder als reaktionärer und rassistischer, antisemitischer und frauenfeindlicher, rechts- oder linksradikaler, schwulenfeindlicher, antidemokratischer oder einfach nur dummdreister und hasserfüllter Müll tonnenweise in die Welt gekippt wird. Und exakt all dieser geistige Schrott, mit dem die Chat-Bots gefüttert wurden, ist es auch, den sie dann als dummdreisten und hasserfüllten Müll eben wieder ausscheiden – biologisch zwar durchaus natürlich, in diesem Fall aber unverantwortlich und durchaus folgenreich, da diese Maschinen den Dreck, mit dem sie vollgestopft wurden, weiter verbreiten helfen, ob sie nun wollen oder nicht! KI-VERZERRUNG nennt die KI-Industrie dieses KI-Phänomen: Kurze Frage an ChatGPT in diesem Zusammenhang: Wer zerrt hier an wem? Antwort der Maschine: Wie bitte darf ich deine Frage verstehen …?
Statt KI-Verzerrung wird dieses Phänomen auch KI-BIAS genannt – ein Begriff, der aus dem Englischen kommt und so viel bedeutet wie Voreingenommenheit oder Vorurteil – wobei es exakt diese schleimige Denkfäulnis ist, die gleichsam automatisch und ungefiltert an die Konsumenten solcher Maschinen weitergereicht wird: Was auf der einen Seite in diese KI-Systeme hineingestopft wird, kommt auf der anderen, der User-Seite, eben wieder heraus – man kann es nur noch einmal wiederholen! Insoweit spiegelt sich nicht nur der Mensch in diesen Maschinen, sondern diese ihrerseits auch den geistigen Zustand der Gesellschaft. Das dies alles mit Intelligenz nicht das Geringste zu tun hat, ist glasklar! Kein Wunder, versteht der Mensch doch bis heute nicht, was INTELLIGENZ eigentlich ist.
Doch nun machen einige Forscher aus der Not eine Tugend und versuchen die menschliche Intelligenz mithilfe der Künstlichen Intelligenz näher zu erforschen und besser zu verstehen. Man stelle sich bitte diesen Irrsinn vor: der Mensch benötigt eine Maschinenintelligenz, um seine eigene Intelligenz zu verstehen. Und dies vor dem Hintergrund, dass KI-Maschinen per se nichts Intelligentes an sich haben, sondern menschliche Intelligenz lediglich imitieren: Dies stellten schon die Gründerväter der KI im Rahmen der Dartmouth Conference, die am 13. Juli 1956 in New Hampshire stattfand und als Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz gilt, eindeutig und unmissverständlich klar. In diesem Kontext betonten sie ausdrücklich, dass es sich bei ihrem Projekt einzig um die SIMULATION von Intelligenz handeln würde – also um ARTIFICIAL INTELLIGENCE. Ein Begriff, den einer der Gründerväter, der amerikanische Informatiker John McCarthy erstmals offiziell in einem Förderantrag für das besagte Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence prägte und in diesem Zusammenhang ausführte: „Das Seminar soll von der Vermutung ausgehen, dass prinzipiell alle Aspekte des Lernens – oder andere Eigenschaften der Intelligenz – so genau beschrieben werden können, dass eine Maschine zur Simulation (!) dieser Vorgänge gebracht werden kann.“
Dieses Statement der KI-Pioniere spricht Bände, denn es belegt eindeutig die inhaltliche Ausrichtung des damals initiierten Projekts, das die KI in die Welt brachte: Denn, wie zu lesen, ging es den Gründervätern konzeptionell einzig und allein um die Nachahmung und Vortäuschung von Intelligenz – also um eine Art KOGNITIVES MIMIKRY. Wie sollte es auch anders sein? Hätten die Experten damals eine maschinelle Duplikation dessen, was einen intelligenten Menschen zur Gänze ausmacht, gedacht, wäre deren Projekt sicher schon nach kurzer Zeit verhungert und heute vergessen, um es auf anthropomorphe Art und Weise auszudrücken. Insoweit sind KI-Systeme wie Chat-Bots nichts anderes als stumpfe Wahrscheinlichkeits-Maschinen. Mechanische Apparate, welche die medial gelenkten und infizierten Konsumenten unwillkürlich als intelligente Wesen erachten, die unwillkürlich in Konkurrenz zu ihnen treten.
Dass bei all dem Heckmeck manche Experten dennoch immer noch der in die Jahre gekommenen Überzeugung nachhängen, derartige Maschinen würden ihnen dazu verhelfen, die menschliche Intelligenz besser zu verstehen, ist wahrlich erstaunlich. Denn hinter dieser nun wirklich obsoleten Annahme verbirgt sich die mechanistische Überzeugung, Gehirn und Computer würden nach den gleichen Prinzipien funktionieren. Ein Standpunkt, der unter KI-Experten mittlerweile wieder in Mode gekommen ist, weil eine solche Behauptung ihnen dazu verhilft, ihre Produkte wären praktisch dem menschlichen Gehirn gleich. Doch das menschliche Gehirn arbeitet als hochkomplexes und dynamisches Netzwerk rein funktional und nicht mechanisch wie eine Maschine. Fern der linearen Prinzipien von Ursache und Wirkung – einzig durch das simultane Zusammenspiel weit verzweigter neuronaler Netzwerke ohne jegliche Hierarchien und Direktive.
Doch vielleicht ist die Überzeugung, die Funktionsweise von Gehirn und Computer sei identisch, auch nur eine gerissene Finte, um einem schwerwiegenden Problem zu entkommen, das die meisten nicht auf dem Schirm haben – den ungeheuren ENERGIEVERBRAUCH der KI nämlich: „Die Welt, in der wir heute leben, wird von künstlicher Intelligenz beherrscht“, sagt der Nanotechnologe Mark C. Hersam von der Northwestern University: „Der Weg, KI intelligenter zu machen, besteht darin, sie mit immer mehr Daten zu trainieren. Dieses datenintensive Training führt zu einem massiven Problem mit dem Stromverbrauch. Daher müssen wir effizientere Hardware entwickeln, um mit Big Data und KI umzugehen. Da das Gehirn fünf Größenordnungen energieeffizienter ist als ein digitaler Computer, liegt es nahe, das Gehirn als Inspiration für das Computing der nächsten Generation zu betrachten.“
Doch solche sich selbst überlebt habende Spekulationen bleiben so sinnlos wie sie es von Anfang an waren: Denn glücklicherweise hat das menschliche Gehirn mit all der Massenhypnose und diesem mechanistischen Maschinenirrsinn nicht das Geringste zu tun. Es arbeitet nie auf dieselbe Art und Weise. Und es arbeitet ohne Strom!
FORTSEZUNG FOLGT








































































































